Schönheits-OPs und Kackscheiße

Letztens bei Twitter:

 

Schönheitsoperierte Frauen zu beschimpfen, is doch auch so ne sexistische Scheiße. „Sieh geil aus … immer … einfach so!“

@HighOnCliches

 

 

Hier ein paar unsortierte Gedanken dazu:

 

Für mich galt die letzten Jahre immer: eine Schönheitsoperation ist legitim, wenn sie nicht nur der Kosmetik sondern auch der Gesundheit dient (nicht nur der physischen sondern auch der psychischen). So halte ich Operationen wie Brustverkleinerungen bei Rückenproblemen für wichtig. Oder wenn eins 20, 30 Kg abnimmt, die Haut am Bauch aber auch durch Sport nicht mehr dazu in der Lage ist, wieder elastisch zu werden und wie ein zweiter Bauch einfach nur herunterhängt, an Hosen- und Rockbünden scheuert und der Person ein komplettes Unwohlsein beschert. Ein weiteres Beispiel ist Brustkrebs. Wenn eine oder beide Brüste amputiert werden müssen, ist es absolut legitim, „neue“ Brüste zu wollen. Oder großflächige Verbrennungen. Ihr seht, in welche Richtung das geht.

Zuerst wollte ich schreiben, dass ich auch SchönheitsOPs bei BDD (Body dysmorphic Disorder, Dysmorphobie) für legitim halte, dann fiel mir aber auf, dass das „Hässlichfinden“ bei dieser Erkrankung psychische Ursachen hat und ich mir nicht sicher bin, ob eine physische Veränderung hier bei der Therapie unterstützend sein kann oder nicht.

 

Aber warum lassen sich überhaupt immer mehr Menschen ihre Körper dauerhaft kosmetisch verändern?

Ich persönlich halte nicht besonders viel von dieser Art der Chirurgie, wenn sie nicht auch einen gesundheitlichen Nutzen hat. Aber wann hat sie das nicht? Die Leute lassen sich doch nicht einfach so operieren. Mit irgendetwas müssen sie ja unzufrieden sein, wenn sie das tun, aber warum sind Menschen mit ihrem äußeren Unzufrieden?

Ich habe leider keine Statistiken zur Hand, aber ich glaube im Verlauf des letzten Jahres gelesen zu haben, dass die Zahl der Menschen steigt, die sich operieren lassen. Meine Theorie ist also: Je absurder das Schönheitsideal wird (ein „schönes“ Beispiel hierfür sind meiner Ansicht nach immer wieder die H&M-Plakate) und je mehr wir dem ausgesetzt sind, je mehr Stimmen uns erklären, wie wir gefälligst auszusehen haben um schön zu sein (und geliebt zu werden und Erfolg zu haben etc.), desto unzufriedener werden wir logischerweise mit unseren Körpern. Und weil unser Körper nun einmal etwas ist, was wir (mit Ausnahme von Kleidung, Schmuck, Frisuren, Piercings und Ohrringen, Tattoos, Gewichtszu- und Abnahme etc.) nicht verändern können (Moment – damit verändern wir doch ne ganze Menge!), muss halt eine Operation her?

 

Ich will damit nicht sagen, dass eine Schönheitsoperation generell ein nicht-feministischer Akt ist, schließlich ist es letztlich die Entscheidung der Person, wie und warum si:er den eigenen Körper verändert. Allerdings glaube ich, dass es weitaus weniger Leute gäbe, die sich die Nase richten lassen oder ein wenig Fett absaugen oder sich, um etwas drastischere Fälle zu nennen, die Augenlider operieren um „westlicher“ auszusehen, die Haut bleichen oder die Beine brechen, um sie zu verlängern, wenn wir nicht diese Schönheitsideale hätten bzw. die Anpassung an dieses Ideal nicht so einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft hätte.

 

Ich kann noch keine klare Stellung zu dem Thema benennen. Ich habe eigentlich nicht vor, meinen körper chirurgisch zu verändern, wenn es nicht unbedingt sein muss. Es sei denn irgendwann ist es möglich praktisch Risikofrei und mit Erfolgsgarantie das Augenlicht wieder zu 100% herzustellen. Ich hab sehr schlechte Augen, eine enorme Hornhautverkrümmung und trage eine Brille mit unheimlich dicken Gläsern, die mich zwar vom Ästhetischen her nicht stört, aber einfach verdammt unpraktisch bei vielen Aktivitäten (schwimmen gehen, Radfahren bei Regen, von einem kalten Ort in einen warmen wechseln etc.) ist und von der ich auch abhängig bin (ohne Brille sehe ich nur bunte Flecken). Solche Dinge gehören auch zur kosmetischen Chirurgie. Aber da es noch nicht so weit ist (unglaublich teuer, hohes Risiko und nicht wirklich erforschte Spätfolgen), wird das wohl noch dauern.

 

Wann haltet ihr sowas für „angebracht“? Sind Schönheits-OPs generell auszuschließen, oder in manchen (vielleicht auch in allen?) Fällen legitim? Schreibt eure Meinung dazu einfach in die Kommentarfunktion.

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Ein Gedanke zu „Schönheits-OPs und Kackscheiße

  1. Ganz besonders furchbar sind in diesem Zusammenhang diese Scripted-Reality-Shows der Privatsender! Da besprechen junge Frauen ihre nächsten OPs so selbstverständlich wie den nächsten Frisör-Besuch – nur die KOSTEN sind ein Thema, nicht etwa, ob es angesagt ist, dass sich hübsche, meist sogar dem Ideal sehr nahe kommende Frauen noch etwas Bauchfett absaugen lassen oder die Brüste eine weitere (!) Nummer vergrößern lassen. GRUSLIG!

    Die genannten Gesundheitsgründe, die du nennst, lasse ich gelten. Nicht aber den bloßen Eifer, möglichst nah ans Hungerhaken-Ideal ran zu kommen – gerne kombiniert mit überdimensionierten Brüsten. Mir kommen diese Frauen total gehirngewaschen vor – und dass ihre Männer, so sie in solchen Sendungen vorkommen, in der Regel eher dagegen sind, zeigt die Absurdität nochmal besonders auf!

    Wie schrecklich muss es sein, sich sein Leben lang über Äußerlichkeiten zu definieren! Viele verfallen der Sucht, sind immer dabei, auf die nächste OP zu sparen, sind nie mit sich zufrieden – und eines Tages sehen sie aus wie lebende Mumien, glatt gezogene Monster, die jeglichen Bezug zu einem gesunden Körpergefühl und einem normalen Selbstbewusstsein verloren haben.

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