Das Klarnamenproblem

Wer mir auf Twitter folgt, dürfte mittlerweile wissen, dass ich zur Zeit an einem Buch schreibe. Das ist, für die Leute, die mich auch offline kennen, nichts besonderes, weil ich schon immer viel geschrieben habe, aber diesen Roman habe ich wirklich vor, zu veröffentlichen. Zunächst online als Ebook, weil es einfacher ist, mich ein paar Monate mit E-Marketing-Strategien zu beschäftigen, als die nächsten Jahre damit zu verbringen, Unmengen an Druckerschwärze und -Papier an Verlage zu verschwenden, die mir dann entweder gar keine Rückmeldung geben, oder sich nach acht Monaten mal melden, um mir zu sagen: „Äh, sorry, aber nö. Passt nicht ins Programm.“ Das bedeutet für mich allerdings eine Menge Arbeit. Ich werde einen neuen Blog aufsetzen, auf dem ich mich weniger mit politischen Themen als mit Privatkrams, Schreiben und derartigem beschäftigen werde. Was mich vor ein Problem stellt, das Klarnamenproblem.

Ich habe schon meine Gründe, warum ich hier auf diesem Blog nicht meinen richtigen Namen nenne und es kein Impressum mit Telefon und Postanschrift gibt, und jede auch nur halbwegs feministische Frau* (ach was, das „feministisch“ muss gar nicht mal sein, reicht, wenn sie sich als Frau* outet und recht viel im Internet unterwegs ist) dürfte verstehen, warum ich das auch nicht machen werde: Ich habe keine Lust darauf, dass Trolle mir Hassbriefe schicken, es reicht mir schon, gelegentlich den einen oder anderen Kommentar löschen zu müssen. Ich will diese Leute nicht in meinen Raum lassen, nicht näher als erträglich. Und „erträglich“ ist „online, anonym, über das Internet, wo die mich sowieso nicht kennen“. Und wo die mich nur halb so stark angreifen können, wie in meinem privaten Umfeld.

Wenn ich allerdings diesen Roman veröffentliche und auch eine offizielle Website mit Blog mache, brauche ich wahrscheinlich dieses Impressum. Wenn ich mich wirklich dazu entschließe, Schriftstellerin zu sein, habe ich drei Möglichkeiten, wie ich damit umgehe.

 

1. Ich lasse beides unter Pseudonym laufen. Sowohl dieses Blog hier, als auch das neue. Das Buch wird unter diesem Pseudonym veröffentlicht. Stellt sich die Impressumsfrage zwar noch weiterhin, aber notfalls gibt es bestimmt immer noch die Möglichkeit eines Postfachs oder so. Die Vorteile hier von wären, dass ich mich selbst sicherer fühle. Allerdings bin ich nicht so naiv zu glauben, dass jemand mit dem nötigen Know-How nicht dazu in der Lage wäre, meine Identität zu finden, dafür bewege ich mich einfach zu lange im Netz.

 

2. Ich mache beides getrennt. Ich habe hier weiterhin diesen Blog und mache meinen anderen Kram getrennt davon. Was schade wäre, weil ich mir sicher bin, dass einige Leute hier vielleicht auch Interesse an der ganzen Sache haben, aber dann kann ich hier ja nicht drüber bloggen, wann wie und ob mein Buch überhaupt draußen ist, ich bräuchte einen neuen Twitteraccount, mit dem ich mir erst einmal eine Bubble suchen müsste usw. Ich habe mir hier mittlerweile eine Basis aufgebaut, die würde unter Klarnamen weg fallen und müsste neu aufgebaut werden.

 

3. Ich lasse beides unter Klarnamen laufen. Das könnte sehr anstrengend werden und viel Kraft kosten. Allein schon bei dem Gedanken daran, wie viele Leute mich mit irgend einer Scheiße zubomben könnten, lässt mich gruseln. Aber auf der anderen Seite bietet diese Variante auch eine Menge Potential. Ich hätte die Möglichkeit überall auf meine verschiedenen Projekte hin zu weisen, egal ob sie jetzt mit Schreiben, Theater oder Politik zu tun haben, ich könnte alles was ich tue miteinander verknüpfen und auf diese Weise mehr Leute ansprechen, die vielleicht auch unterschiedliche Interessen haben.

 

Habt ihr vielleicht irgendwelche Ideen/Erfahrungen zu diesem Thema?

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4 Gedanken zu „Das Klarnamenproblem

  1. Balls to the wall – Klarnamen für beides. Das schafft dir vielleicht einige Trolobleme, aber ich denke, dass wenn jemand damit fertig wirst dann du. Wenn du ein Buch schreibst und veröffentlichst kann ein Diskurs nie schaden. Sei es darüber, das du einen Feministischen Blog hast oder was du für Kakao trinkst. Im Netz geht es ja ausschließlich aum Aufmerksamkeit – für welchen Zweck auch immer. Wenn du Fläche abdeckst (viel publizierst, das klar nachvollziehbar deins ist), bekommst du um so mehr Aufmerksamkeit. Proven. Ohne Aufmerksamkeit kommst du im Netz nirgendwo hin. Und die wird generiert, wenn klar nachzuvollziehen ist was du tust. Werbung ist kacke – das wissen wir alle. Aber in einem Raum in dem jeder redet, aber kaum einer Zuhört (Internet) ist es wichtig herausfinden zu können wer schreibt. Ausserdem hast du dir schon eine Netzidentität aufgebaut. Wenn ich dein Pseudo google finde ich zwar das hier http://pbs.twimg.com/media/A-VPo8rCUAA0Nk5.png 🙂 aber auch deinen Twitter etc. Du kannst ja diesen Blog auch unter deinem Pseudo laufen lassen, und den anderen unter deinem Realnamen, aber ich denke, dass eine Klare Genzziehung keinem etwas nützt. Weder den Leser*_Innen, die dadurch vielleicht mit Feminismus angefixt werden, auch nicht den Feminist*_Innen die ein gutes Buch lesen wollen. Vielmehr kommt es auf die Dosierung an. Du musst ja nicht auf die Startseite als Subheader setzten : „Check Out Mah Blooooog“ sondern am Rande erwähnen was du noch machst. Vielleicht in der Über dich Sektion oder so. Nur nicht aufdränglich sein. Pullen an Statt pushen.

    Ein ❤ von IMMORTAL!!!!! http://www.youtube.com/watch?v=sOOebk_dKFo

  2. Schau mal hier: http://ntstray.com/
    Die Frau beschreibt schon vieles was auf Selfpublishing usw folgt vielleicht ist dir das ja eine Orientierung

    Ich will es eher klassisch tun.
    Pseudonym, Verlag, Papier… Irgendwie kommen mir EBook zu weit entfernt vor- zu schnell(lebig) und ach… (nenn mich einer altmodisch aber ich finde Bücher sind irgendwie „echter“ als Textdateien)

    • Hey, danke für den Link!
      Das mit dem „klassisch“ kann ich gut verstehen, ich würde auch lieber auf das Printmedium zurückgreifen. Allerdings glaube ich kaum, dass ich auf dem Büchermarkt (also print) besonders gut Fuß fassen könnte (und selbst wenn ist die Bezahlung eher miserabel, wenn du nicht voher schon irgendwie „bekannt“ bist). Online sehe ich für mich einfach mehr Möglichkeiten, da wirklich meinen Lebensunterhalt zu verdienen (werde mich auch nochmal mit selber Drucken und so auseinandersetzen, aber erstmal das Buch fertigschreiben ;))

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