Geschützt: Nicht Fisch, nicht Fleisch

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Femmephobia.

Dieser Blogpost schwirrt mir schon ziemlich lange im Kopf herum. Er könnte wahrscheinlich besser ausgearbeitet sein und mehr Quellen zitieren. Das habe ich aber aus Zeitgründen nicht geschafft. Das hier ist wie so oft nur eine Aneinanderreihung verschiedener Gedankengänge, die für mich schlüssig erscheinen. (Irgendwo mittendrin rutsche ich von dem Privaten ins Gesellschaftliche ab. Ich habe keinen passenderen Übergang gefunden.)

Den Anstoß für diesen Post habe ich einmal hier gefunden, wo Tobi Hill-Meyer über Transmisogynie und Femmephobia in queeren Kreisen berichtet (Englisch). Kurz darauf hatte ich ein großartiges Gespräch mit einer guten Bekannten darüber, wie fehl am Platz sie sich als „Femme“ (also als „weiblich“ aussehende Frau mit langen blonden Haaren und Schminke) auf manchen Queer-Partys fühlt und dort gefragt wird, ob sie sich sicher sei auf der richtigen Party zu sein, sowie darüber, dass „männliches“ Verhalten als „Standart“ gesehen wird. Was mich letztlich dazu trieb, diesen Artikel zu veröffentlichen, war ein Tweet von @KatrinaR47:

 

Hier also meine Startthese:

1. Wenn ein Mann* sich „männlich“ verhält, wird er ernst genommen.

2. Wenn eine Frau* sich „männlich“ verhält, wird sie so lange ernst genommen, bis jemand eine „weibliche“ Seite an ihr entdeckt und/oder zur Schau stellt oder sie auf ihr Geschlecht mit entsprechenden Stereotypen angesprochen wird.

3. Wenn eine Frau* sich „weiblich“ verhält, wird sie nicht ernst genommen.

4. Wenn ein Mann* sich „weiblich“ verhält, wird er erst recht nicht ernst genommen.

 

Definition der Begriffe (Beispiele)

„Männlich“ = autoritär, selbstbewusst, professionell, rationales Denken und Handeln

„Weiblich“ = antiautoritär, unsicher, unbeholfen, emotionales Denken und Handeln

Was nicht bedeutet, dass es sich hier um einen Dualismus handelt! Es gibt immer viel mehr Facetten zwischen den Extremen und ich habe beileibe nicht alle mögliche Eigenschaftskombinationen aufgeführt.

Des weiteren beziehe ich „männlich“ und „weiblich“ auch auf das Aussehen (die „geschlechtstypische“ Kleidung Hose = Mann, Rock/Kleid + Schminke = Frau)

Femmephobia

Ich nenne das ganze mal „Femmephobia“, die Angst vor dem Weiblichen, weil mir kein anderer Begriff einfällt, der das Problem so auf den Punkt bringt. Wenn wir vor etwas Angst haben ist das erste was wir tun eine Abwehrreaktion, vielleicht wegsehen. Wenn das nicht funktioniert, fangen wir an, Witze darüber zu machen, weil lachen die Angst lindern kann. Wenn auch das nicht funktioniert, bleibt nur noch Hass auf das, was uns Angst macht (und vielleicht auch ein kleines bisschen auf uns selbst, weil wir Angst haben). Und diesen Hass kriegen Frauen (besonders „weiblich“ aussehende Frauen), Transfrauen, Genderqueere und Crossdresser volle Kanne ab.

Das schlimmste ist das nicht-ernstgenommen-werden.

Das täglich tausende von Übergriffen stattfinden, dürfte mittlerweile allen bekannt sein. Jetzt wird ganz viel rumgejammert, dass die armen Männer ja auch ihre Probleme haben. (Ich gehe jetzt nicht weiter auf den „What-about-the-menz“-Faktor ein, nur ein Satz: Warum wird die Debatte wieder auf die MÄNNER* umgelenkt, wenn es doch FRAUEN* sind, die sich empören?). Natürlich gibt es auch Männer, die diesen Problemen ausgesetzt sind. Nur: Wenn diese Männer, die wirklich betroffen sind (und das sind wohl in der Regel NICHT diejenigen, die rufen „ABER WIR MÄNNER!!!“), sich melden und sagen „Mir ist gerade Scheiße passiert, ich kann damit gerade voll nicht umgehen und brauche Hilfe.“, was glaubt ihr, wie die Reaktion in, sagen wir mal einer gemütlichen „Männerrunde“ bei Bier und Fußballgucken (um jetzt mal ins Extrem zu gehen) ausfällt? Das erste, was passiert, ist wahrscheinlich: Lachen. Das nächste: „Ach, komm schon“. Wenn danach noch einer* den Mut besitzen sollte zu sagen: „Scheiße, das ist echt krass.“ wird er* sicher von irgendeinem* aus der Gruppe mit „Stell dich mal nicht so an, du Mädchen.“ zum Schweigen gebracht. Es wird nicht über Probleme geredet, denn das bedeutet ja, dass man überfordert ist. Überfordert sein heißt, emotional zu sein. Emotional zu sein bedeutet, weiblich zu sein. Und weiblich sein ist in unserem jetzigen gesellschaftlichen System einfach nicht erwünscht.

Wir sollen nicht so „überreagieren“, wenn wir wütend sind.

Wir sollen mal „runterkommen“, wenn wir gerade einen Tobsuchtsanfall haben, weil z.B. gerade eine Nebenkostenabrechnung kam, die sagt, wir sollen mal eben 200€ nachzahlen (ach ja, wenn wir denn mal aus der Rolle fallen, müssen wir uns auch dafür rechtfertigen, warum wir denn jetzt gerade so emotional sind).

Wir sollen uns nicht „wie Teenager benehmen“, wenn wir verliebt sind.

Wir kriegen keinen Tag bei unserem Job frei, und wenn wir vor Menstruationsschmerzen zusammenbrechen, oder wir emotional am Boden sind, weil jemand gestorben ist/die Beziehung beendet hat/whatever.

Wir sollen uns zusammenreißen und funktionieren, logisch, nicht emotional.

Und jetzt meine Frage: WARUM??

Warum zum Henker sollen wir uns einem „Ideal“ anpassen, mit dem wir vielleicht überhaupt nichts anfangen können (aber wenn wir es nicht tun, werden wir unterdrückt)? Warum dürfen wir nicht heulen, wenn uns danach zumute ist? Warum können wir uns nicht aus emotionalen Gründen mal ein paar Tage frei nehmen, um uns wieder zu sortieren? Warum dürfen wir das erst, wenn die („männlich“-logisch erstellte) Diagnose „Burn-Out“, „Depression“ oder sonst irgendwie lautet? Warum werden Transfrauen weitaus häufiger verbal und/oder körperlich angegriffen als Transmänner? Warum ist es kein Problem (mehr), wenn eine Frau* Hosen trägt, aber die halbe Welt dreht durch, wenn ein Mann* in Kleidern oder Röcken herumläuft?

Und warum ist es eigentlich so ein verdammt großes Problem, wenn Männer* sich „weiblich“ geben, es aber begrüßt wird, wenn Frauen* „männlich“ sind? Warum wird „Frau“ mittlerweile in einer ähnlichen Funktion als Schimpfwort wie „schwul“ benutzt?

DAS alles setze ich unter Femmephobia.

Das Sexismus-Problem, vor dem wir stehen, ist nicht nur auf das biologische Geschlecht „weiblich“ zu beziehen, es geht genauso darum, welches Geschlecht wir mit unserem Denken, Handeln und Aussehen repräsentieren. Von „Gleichberechtigung“ kann keine Rede sein. Wir können nicht sein, wie wir wollen. Wir dürfen nicht einmal sein, wie wir sind.

PS: Ich kann rational denken. Ich kann rational handeln. Aber verdammt noch mal: Wütend bin ich trotzdem!